Dienstag, 6. April 2021
Di., 6. April 2021
Bridge over Troubled Water? NRW-Luschi schlägt also nun einen "Brücken-Lockdown" vor, und vielleicht hat er dabei ja an diesen Song aus seiner Jugend gedacht, als ihm das über Ostern einfiel.
Der Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes wies jedenfalls schon mal vorsorglich darauf hin, dass es beim Bau einer Brücke gut wäre, wenn man das andere Ufer sehen und dadurch auch deren Länge einschätzen könne. Eigentlich waren doch alle bisherigen Lockdowns dazu gedacht, irgendwann das rettende Ufer zu erreichen, was also ist anders an einem Brückenlockdown? Wird der dann nach drei Wochen wieder aufgehoben, egal wie die Zahlen sind? Oder gibt es dann nach Bedarf ein neues Brückerl?
Jetzt sei absehbar, "dass schon in ganz kurzer Zeit 20 Prozent, danach 30, 40 Prozent der deutschen Bevölkerung geimpft sind", sagte der CDU-Chef. Das klingt zumindest von der numerischen Reihenfolge her durchaus logisch, aber was heißt "ganz kurze Zeit"?
Dass Bundesinnenminister Seehofer sich nicht mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen will und damit dem Impfstoff erneut das erwünschte Vertrauen der Impflinge entzieht, lässt das rettende Ufer wieder ein Stück zurückweichen.
Über lange Zeit, mittlerweile gut ein Jahr lang, fand ich das Krisenmanagement durch die uns Regierenden vernünftig, ja sogar alternativlos und unterstützenswert, aber seit dieser peinlichen Nachtsitzung, die damit endete, den Gründonnerstag zum Feiertag zu erklären, kann ich verstehen, warum der IFO-Vorsitzende Fuest das Vorgehen der Regierung als "planlos" bezeichnet.
Die öffentliche Diskussion vermittelt mehr und mehr den Anschein, als ob führende Politiker die Virologen, Epidemiologen und andere Experten zunehmend als pessimistische Störenfriede und Spielverderber empfinden, und lieber freihändig aus der persönlichen Einschätzung heraus agieren. So, wie es auch Michael Meyer-Hermann vom Helmholtz-Institut formuliert hat: "Die Politik wartet erstmal ab, ob unsere Prognosen auch tatsächlich eintreffen."
Leider ist es dann meistens zu spät.

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