Freitag, 20. März 2020
Fr., 20. März
Armes Italien! In den Nachrichten bedrückender Bericht aus Italien, wo es inzwischen mehr als 4.000 Tote zu beklagen gibt. Nächtliche Filmaufnahmen aus Bergamo zeigten den Abtransport von Toten ins Krematorium auf verhüllten Militärlastwagen- die „Lagermöglichkeiten“ der Stadt waren überfordert. Die Angehörigen konnten zum Teil wegen der Infektionsgefahr keinen Abschied mehr von den Verstorbenen nehmen.

Ab in den Stall! Nun ist es also soweit: deutliche Ausgangsbeschränkungen in Bayern. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist von morgen an nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Die Herde ist zu doof, sie muss in den Stall! Es geht nicht anders – zum Nachteil und zum Schaden all jener, die die Regeln befolgen. Jetzt kann man nur hoffen, dass es hilft.

Arreviderci! Mittags kurzer Radausflug mit meiner Frau nach Münsing zum Edeka und zum Bäcker. Auf dem Weg machten wir fürs Gemeindeblatt Fotos vom Abriss des Getränkemarktes und der VR Bank und noch einige vom Dorfplatz mit der Eisdiele, die vielleicht zum letzten Mal geöffnet war. Viele Leute saßen dort nicht mehr.


Erstaunlicherweise standen auf dem Dach des ehemaligen Getränkemarkts mehrere komplett in weiße Schutzkleidung gepackte Menschen mit Mundschutzmasken. Aber sie verarzteten nicht etwa einen aufs Dach geflüchteten Corona-Patienten sondern entsorgten nur die Asbestdachplatten.

Seltsame Begegnung Ein Motorradfahrer hielt neben mir und sprach mich an. Ich machte einen Satz zur Seite, um den den empfohlenen Corona-zwei-Meter-Sicherheitsabstand wieder herzustellen. Er rückte auf anderthalb Meter nach, und jetzt erkannte ich hinter dem hochgeklappten Visier einen Freund und erfolgreichen Unternehmer. Es kam zu folgendem Dialog. Er: „Wie geht’s euch denn?“ Ich: „Wir isolieren uns auf dem einsamen Bauernhof und hoffen, irgendwie durchzukommen.“ Er: „Ja wisst ihr das denn nicht? Es gibt keinen Virus.“ Ich: „Wie, es gibt keinen Virus?“ Er: „Naja, es gibt gar keinen Virus. Alles erlogen.“ Einen Moment dachte ich, jetzt wäre der Moment da, auf den ich immer gehofft hatte, nämlich dass ich aus einem Alptraum erwache und alles ist vorbei. Ich: „Woher weißt du das?“ Er: „Das sagt eine Reihe kompetenter Wissenschaftler, deren Meinung jedoch unterdrückt wird!“ Ich: „Aber in Italien gibt’s über dreitausend Tote…“ Er: „Aber nicht durch irgendein Virus! Es dient den Mächtigen nur dazu, Maßnahmen ergreifen zu können, um zweihundert Jahre demokratischer Errungenschaften mit einem Handstreich wegzuwischen.“
Mir fiel nichts mehr ein und ich sagte nur: „Ich hoffe, dass wir uns in zwei Monaten gesund wiedersehen.“ Der Freund nickte und rauschte davon.

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Do., 19. März
Der Schein trügt Herrlichstes Frühlingswetter, sonnig und warm. Aber gut, auch in den Weltkriegen hat es wohl sonnige Tage gegeben, auch wenn sie auf Fotos immer ziemlich diesig und grau rüberkommen. Und so schreitet auch unsere gruselige Krise bei jedem Wetter voran.
Innerhalb von zwei Tagen Zunahme der Infizierten um 5.800, die Letalität fast verdoppelt, und Bayern hat innerhalb Deutschlands nach NRW die schlechtesten Werte. Aber das hinkt – vor allem im Vergleich mit dem Ausland (siehe USA), weil völlig unklar ist, wieviele Menschen getestet wurden.

Herdenimmunität? Ich lese immer wieder Herdenimmunität. In England wollte man wohl so vorgehen, aber nun hat Johnson offenbar die Rolle rückwärts gemacht. Bei uns in Deutschland sind die Herden längst immun – leider allerdings nicht gegen das Virus, sondern gegen Vernunft und Realität. Merkel hat das in ihrer gestrigen TV-Ansprache nur so ganz unterschwellig anklingen lassen, aber natürlich hat sie da mit der Ausgangssperre gedroht. Und die wird aller Voraussicht nach auch kommen. Die Herden lassen nur die Wahl zu, eingepfercht zu werden. Es wäre unfassbar traurig, wenn auch in unserer Demokratie letzten Endes nur totalitäre Mittel helfen würden.

Positiv & Negativ Ein enger Freund meines Büropartners wurde nach einem Aufenthalt in Ischgl positiv gestestet, und solange mein Kollege nicht getestet ist (hoffentlich negativ), werde ich wohl Homeoffice machen und nur fürs Notwendigste im Büro aufkreuzen. Wir haben hier ideale Isolationsbedingungen – kein Haus im Umkreis von annähernd einem Kilometer, viel Platz und Rückzugsmöglichkeiten, draußen die große Freifläche und unser Gemüsegarten. Die Kinder fügen sich langsam ins Unvermeidliche. Unser Sohn gibt seine Nachhilfestunden inzwischen per Whatsapp oder Skype. Die Tochter hat leider keinen Job mehr, denn der Fischmeister hat geschlossen.

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